Großes Kino im Autokino

Parken auf der Rampe, Naschen aus der Popcorn-Tüte, Träumen beim Sonnenuntergang und vor Augen eine XXL-Leinwand. Schwerverliebte knutschen ungestört in den eigenen vier Blechwänden. So funktioniert Kino unterm Sternenhimmel.

Am Kult Autokino, der vor 57 Jahren von Amerika nach Deutschland schwappte, hat sich wenig verändert. Der feine, aber entscheidende Unterschied: Statt kleiner Lautsprecher zum Anstöpseln an eine Stromzapfsäule und Mono-Ton garantieren heute digitale Projektion und brillanter Sound Filmerlebnis pur. Die Hochsaison ist eröffnet.

Kultig und modern

Obwohl ihre große Zeit lange vorbei ist, erlebt das Autokino seit Jahren ein kleines Revival. Laut der Filmförderungsanstalt verbuchten die Betreiber 2015 gegenüber dem Vorjahr sogar ein Besucherplus von 31,7 Prozent und ein Umsatzzuwachs  von 40,9 Prozent. In rund zwanzig Autokinos laufen heute deutschlandweit Filme bei Wind und Wetter, einige sogar im Winter wie auf den Plätzen der Autokinokette Drive In.

Wolfgang Holl, Manager von Drive In, zu dem auch das älteste Autokino Deutschlands in Gravenbruch gehört, erklärt den Erfolg mit dem „Erlebnis Kino in freier Natur ohne Parkplatzsorgen, Rascheln der Nachbarn und Dresscode. Die ganze Familie samt Kind und Hund ist willkommen.“

Nostalgisch wird es, wenn sich die Oldtimerfreunde treffen und zu „Harold und Maude“ oder „Herbie Fully Loaded – ein toller Käfer startet durch“ in der ersten Reihe parken.

Hoch im Kurs stehen Blockbuster, vor allem solche mit Autostars. Holl: „Unsere größten Filmknaller sind die Streifen aus der Fast & Furious-Reihe.“ Zur Premierenparty von Teil 8 erwartet der Cineast in diesem Jahr bis zu 1 000 Autos und 2 000 Besucher.  

Temporär und szenig

Auch Autobauer Audi hat das Event Autokino entdeckt und veranstaltet seit vier Jahren in Berlin das temporäre „Audi Urban Cinema“ mit einem an die Zeit angepassten Konzept: Es wird im Auto, aber auch gemütlich auf Liegestühlen, Sitzkissen und Wohnzimmersesseln kostenlos geguckt.

Neben Popcorn verzehrt die Klientel Streetfood. Dass die Ingolstädter dabei auch ihre aktuellen Modelle zum Probesitzen in die Runde stellen, versteht sich von selbst. 

Bis zu 1 800 Besucher an drei Tagen zählte die Veranstaltung 2016, im Jahr zuvor waren es noch rund 1 000. „Die Besucher freuen sich über die coole, unkomplizierte Atmosphäre und die kurative Filmauswahl“, erklärt Moritz Baumann von Audi City Berlin. Fortsetzung folgt.

Kleine Regelkunde

Für all diejenigen, die das Erlebnis Autokino noch vor sich haben, ein kleiner Vorspann: Damit jeder freie Sicht auf die gigantischen Leinwände hat, stehen die Autos auf Rampen oder Bodenwellen. Der Sound erklingt über UKW aus dem Autoradio, die Frequenz gibt es bei der Einfahrt am Kassenhäuschen oder vor Beginn auf der Leinwand. Gezahlt wird pro Person.

Für die Bequemlichkeit sorgen an kühlen Sommertagen eine Decke und im Winter ein Heizlüfter zum Ausleihen.

Auf der Speisekarte stehen in bester amerikanischer Tradition Popcorn, Hamburger, Cheeseburger, Hot Dogs und Pommes – erhältlich in Snackbars oder serviert wie im „Bärliner Autokino“ in Berlin-Tegel per SMS direkt ans Fahrzeug. Gourmets packen ihren Picknickkorb auf die Rücksitzbank. Gucken und Naschen wie zuhause – nur viel kultiger. Großes Kino eben.